München/Bad Nenndorf | Warum tödliche Badeunfälle vor allem jungen Männern drohen
DLRG-Lebensretter
München/Bad Nenndorf (dpa) - Wer jung und männlich ist, lebt in der Badesaison besonders gefährlich: Im vergangenen Jahr sind in Deutschland zwar weniger Menschen bei Badeunfällen gestorben – aber gleichzeitig hat die Zahl der Todesfälle unter jungen Menschen im Alter bis 30 spürbar zugelegt. Gefährdet sind vor allem männliche Jugendliche und junge Männer.
Sowohl bei den 11- bis 20-Jährigen als auch bei den 21- bis 30-Jährigen gab es im Vergleich mit dem Vorjahr jeweils elf Todesfälle mehr, wie die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) mitteilte. 73 Menschen in dem Alter starben, 2024 waren es noch 51. Auffallend dabei: «Nur eine Person unter den 73 Opfern in diesen Altersklassen war weiblich», sagte DLRG-Präsidentin Ute Vogt. Insgesamt registrierten die Lebensretter im vergangenen Jahr mindestens 393 tödliche Badeunfälle – 18 weniger als ein Jahr zuvor.
Ein männliches Phänomen
Zu dem Anstieg der Todesfälle unter den jungen Menschen sagte Vogt: «Das ist besorgniserregend und setzt sich hoffentlich in diesem Jahr so nicht fort.» Vor allem unter männlichen Jugendlichen und jungen Männern seien «Übermut und Selbstüberschätzung leider weit verbreitet». Eine weitere Ursache sei Alkohol. Auch insgesamt sind tödliche Badeunfälle ein überwiegend männliches Phänomen: 2025 waren laut DLRG vier Fünftel (82 Prozent) der Opfer männlich. Die DLRG ist nach eigenen Angaben die weltweit größte freiwillige Wasserrettungsorganisation, sie zählt mehr als 640.000 Mitglieder.
Unter den älteren Menschen ging die Zahl der tödlichen Badeunfälle im vergangenen Jahr deutlich zurück: Bei den über 80-Jährigen waren es 40 Todesopfer – ein Jahr zuvor zählten die DLRG-Lebensretter noch 51. Deutlich war das Bild auch unter den 71- bis 80-Jährigen: In der Altersklasse wurden 51 tödliche Badeunfälle registriert, während es ein Jahr zuvor noch 65 waren. Allerdings gelingen jährlich im Durchschnitt auch fast 1.000 Lebensrettungen, wie DLRG-Verbandskommunikationschef Frank Villmow sagte.
Gefährlicher Juni
Auch starben im vergangenen Jahr weniger Kinder bis zehn Jahre bei Badeunfällen: 13 und damit eines weniger als im Vorjahr. Der Durchschnitt des vergangenen Vierteljahrhunderts liegt den Angaben zufolge sogar bei 29 tödlich verunglückten Kindern im Jahr. Jedes Jahr kommen allerdings Fälle von Ertrinken hinzu, die zwar nicht tödlich enden, aber lebenslange Folgen für die Opfer haben.
Die meisten Badeunfälle, nämlich 69 und damit 17 mehr als im Vorjahresmonat, gab es im Juni. «Wäre es in der folgenden Hauptferienzeit weiterhin so sonnig und heiß geblieben, hätten wir wohl erneut einen Anstieg der Opferzahl vermelden müssen», meinte Vogt. Bei Traumwetter steigt die Zahl der Unfälle sprunghaft, was sich im vergangenen Juni deutlich zeigte: An nur einem Wochenende starben 15 Menschen beim Baden und Schwimmen. «Es war das tödlichste Wochenende in diesem Jahr und eines der tödlichsten der letzten zehn Jahre», sagte DLRG-Sprecher Martin Holzhause damals.
Vogt: «Wir benötigen sicher noch mehr Aufklärung»
Nach anfänglicher Hitze gab die Zahl der Unglücke im vergangenen Juli, einem Monat mit viel Niederschlag, deutlich nach: Damals starben 52 Menschen im Wasser, während es im Juli 2024 noch 66 waren. Im August schließlich ertranken 65 (August 2024: 80) Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Tatsächlich entfiel über die Hälfte der tödlichen Unfälle – wenig überraschend – auf die Badesaison von Anfang Mai bis Ende August.
Wie soll es gelingen, die Unfallzahlen zu verringern – möglichst in allen Altersgruppen? DLRG-Chefin Vogt machte klar: «Wir benötigen sicher noch mehr Aufklärung.» Vor allem diejenigen Menschen, die nicht sicher schwimmen könnten, müssten für Gefahren sensibilisiert werden. Und: «Auch Angler auf Booten, Paddler oder Segler sind leider noch allzu oft unbedarft, was ihre eigene Sicherheit betrifft», betonte sie.
Kinder können nach der Grundschule nicht sicher schwimmen
Die Wasserretter gehen davon aus, dass mehr als jedes zweite Kind nach der Grundschule nicht sicher schwimmen kann. Ein Grund: Bäder für den Schwimmunterricht fehlen. Das zu ändern fordert die DLRG seit langem – und verlangt auch flächendeckenden Schwimmunterricht in den Schulen: «Unsere Kinder können mehrheitlich nicht sicher schwimmen, wenn sie die Grundschule verlassen», mahnte Vogt. «Sie stehen fortan immer weniger unter Beobachtung der Eltern und sind ein Leben lang gefährdeter am und im Wasser.» Das sei ein «unnötiges Lebensrisiko».
Besonders riskant ist es nach den Erkenntnissen der Wasserretter an Seen, Teichen und Flüssen – dort gab die mit Abstand meisten tödlichen Badeunfälle: In Seen und Teichen wurden demnach 158 Todesfälle registriert, in Flüssen und Bächen 153.
Viele tödliche Badeunfälle in Bayern
Mit 84 Toten starben die meisten Menschen im vergangenen Jahr bei Badeunfällen in Bayern mit seinen vielen Seen – ein Jahr zuvor waren es 70. Auf dem – in dem Fall unrühmlichen – zweiten Platz landete Nordrhein-Westfalen mit 48 (2024: 57) Badetoten, gefolgt von Niedersachsen mit 47 (46) Opfern. In Nord- und Ostsee starben im vergangenen Jahr 22 Menschen, ein Jahr zuvor waren es noch 30. Allein den Küsten waren während der Badesaison von Anfang Mai bis Ende September mehr als 6000 Rettungsschwimmer im Einsatz.
© dpa-infocom, dpa:260310-930-795478/1
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