Hamburg | «Crimson Desert»: Ein üppiges Game-Menü mit Beigeschmack
Angespielt
Hamburg (dpa/tmn) - Eigentlich sollte «Crimson Desert» ein Prequel werden. Also die Vorgeschichte zum erfolgreichen Online-Multiplayer-Rollenspiel «Black Desert Online» des südkoreanischen Entwicklers Pearl Abyss. Doch dann kam alles ganz anders.
Schritt für Schritt wurde das Game zu einem Action-Adventure-Rollenspiel für Einzelspieler in einer offenen Welt namens Pywel umgemodelt. Dabei nutzten die Entwickler Zitate und Stärken anderer erfolgreicher Games des Genres - und formten dabei etwas Größeres, mit dem sie wahrscheinlich selbst nicht gerechnet hatten.
Der Weg des Helden beginnt in der Niederlage
Aber der Reihe nach. Das ist die Ausgangslage in «Crimson Desert»: Kliff, Anführer der Söldnertruppe Greymanes, lebt in einer Welt, die von mythischen Kreaturen und archaischen Kräften beeinflusst wird.
Dann passiert es: Die Greymanes geraten in einen vernichtenden Hinterhalt ihrer Feinde, den Black Bears. Viele Söldner werden getötet, die Überlebenden zerstreut es in alle Himmelsrichtungen - und Kliff schwört Rache.
Über Pywel schwebt «The Abyss», ein mythisches Reich voller Rätsel und antiker Technologien, das auch Kliffs Rachefeldzug beeinflusst. Denn aus «The Abyss» regnen mächtige Artefakte auf Pywel herab - und alle in dieser Welt kämpfen darum, diese zu kontrollieren.
Uralte Mächte - und ein gewaltiger Kontinent
Pywel ist tatsächlich ein riesiger Kontinent, der sich in fünf Regionen gliedert:
- Hernand,
- Pailune,
- Demeniss,
- Delesyia und
- die namensgebende Crimson Desert.
Jede Region hat eigene Zivilisationen, Feinde und Geheimnisse. In den Städten wimmelt es nur so von Händlern, Questgebern und anderen Spielfiguren, deren Verhalten vom eigenen Ruf beeinflusst wird.
Dynamisches Wetter und ein vollständiger Tag-Nacht-Zyklus wirken sich zusätzlich auf alles aus – vom Verhalten der Feinde bis zur Verfügbarkeit bestimmter Aktivitäten. Pywel ist so weitläufig, dass eine Reise von einer Ecke der Welt in die andere fast zwei Stunden dauert - zu Pferde wohlgemerkt.
Vielseitiger Kampf mit wachsenden Charakteren
Im Verlauf der Geschichte schließen sich dem ausgewogenen Allrounder Kliff zwei weitere spielbare Charaktere an – jeder mit eigenem Kampfstil, eigenen Fähigkeiten und Waffen, die unterschiedliche Erkundungs- und Kampferfahrungen bieten:
- Damiane, eine agile und schleichende Schwertkämpferin.
- Oongka, ein brutaler Schläger mit Bazooka.
Ein Kampfstil nach der eigenen Vorstellungskraft
Das Kampfsystem besteht aus einer riesigen Sammlung an Mechaniken, die anfangs überwältigend wirken kann. Kliffs Kampffähigkeiten sind zunächst recht simpel, erweitern sich dann aber dramatisch: Würfe, Stiche, Ausfallschritte, Saltos und sogar Spider-Man-artiges Schwingen lassen sich in Kombos einbringen. Das Spiel reizt die Möglichkeiten des Controllers mit simultanen Tastenkombis vollständig aus.
Das Arsenal an verfügbaren Waffen ist umfangreich und diese lassen sich schnell über bis zu drei Slots wechseln. Während leichte Angriffe nichts «kosten», gehen Sprinten, Ausweichen, schwere Angriffe oder Blocken zulasten eines abnehmenden Ausdauerbalkens.
Sich das Wissen der Welt aneignen
«Crimson Desert» kennt keine verschiedenen Schwierigkeitsgrade. Kliff erlernt neue Fähigkeiten, indem er sie bei anderen beobachtet – sogar während eines Kampfes. Schon sehr früh im Spiel kann der Held beispielsweise während eines Gefechts den Tritt eines Ritters kopieren.
So fügt er ihn dann dauerhaft seinem eigenen Moveset hinzu, also der Gesamtheit aller vom Charakter beherrschten Angriffe, Bewegungsoptionen und Skills. Als Besonderheit können auch Abyss-Artefakte, die bei Quests, Bosskämpfen und Erkundungen auftauchen, neue Fähigkeiten freischalten. Ausrüstungsverschleiß gibt es indes nicht.
Aufbauen, nicht nur draufhauen
Während Kliff die verstreuten Greymanes wieder zusammenführt, kommen Lageraufbau- und -erweiterungselemente ins Spiel, wofür die spielbaren Charaktere Ressourcen sammeln müssen.
Das Lager entwickelt sich von einer bescheidenen Zeltsiedlung hin zu einer befestigten Basis. Das ist die Voraussetzung dafür, von mehreren Seiten gleichzeitig auf feindlich kontrolliertes Gebiet vorrücken zu können.
Vom Helden zum Gesetzlosen – solange man eine Maske trägt
Das Rechtssystem des Spiels verfolgt kriminelle Aktivitäten in Städten und Ortschaften minuziös, wenn Spieler im Stealth-Modus unterwegs sind. Stealth-Modus bedeudet, dass der Charakter im Spiel eine Maske angelegt hat, unsichtbar unterwegs ist, und nur noch auf einer Minikarte verortet werden kann.
Unterm Streich bietet kriminelles Verhalten zwar temporäre Kampfvorteile, schmälert aber - wen wundert es - die eigene Reputation. Die Folge: Eingeschränkter Zugang zu Städten oder Festnahmen durch Wachen, die Kopfgeld kassieren wollen.
Zu Fuß unterwegs - oder auf einem gezähmten Drachen fliegen
Eines der Hauptmerkmale des Spiels, das aber auch schon früh für Skepsis in der Spielerschaft sorgte, ist die schiere Menge an möglichen Reittieren und Fortbewegungsoptionen.
Per Pferd die große Karte bereisen, Klippen mit einem Gleitschirm überwinden, sich einen Drachen zähmen oder in einen Mech-Anzug mit Raketenantrieb vorankommen - all das und noch mehr ist möglich.
Das Game bietet eine Menge, aber die Umsetzung...
So riesig seine Welt auch ist, so sehr schwächelt «Crimson Desert» beim Storytelling. Hier bricht die Multiplayer-DNA der Entwickler durch: Hauptaufgaben wie auch Nebenaktivitäten machen anfangs Spaß, werden aber schnell monoton und zäh. Vieles wirkt so, als wäre es darauf ausgelegt, die Spielzeit künstlich aufzublähen – ein klassisches Merkmal von Online-Spielen.
Die Geschichte ist größtenteils inkohärent und schleppend: Das Tutorial dauert vier Stunden, der erste richtige Bosskampf kommt erst nach etwa acht Stunden. All die tiefgründigen Spielmechaniken, Charakterfreischaltungen und – was am meisten frustriert – das Inventar-Arsenal offenbaren sich erst dann, wenn man sich durch die schwache Geschichte gequält hat.
Aufmerksam lesen, gut einprägen - hier gibt es keine Anleitung
Spielende müssen nicht nur alle In-Game-Texte aufmerksam lesen, sondern sich auch ordentlich mit dem Eingabe- beziehungsweise Skill-Menü auseinandersetzen, um sich die verschiedenen Movesets einzuprägen. Zudem leitet «Crimson Desert» so gut wie gar nicht an. Man ist beim Entdecken, Entscheiden oder Lösen von Problemen auf sich allein gestellt.
Also gilt es stets aufmerksam zu sein, wenn man herausfinden möchte, wie sich bestimmte Rätsel lösen lassen. Denn schnell wird klar, dass keine kreativen Lösungen gefragt sind, sondern dass das Spiel eine ganz bestimmte Herangehensweise «erwartet» - und nur die. Dieser Ansatz wirkt stellenweise etwas merkwürdig und legt der riesigen Sandbox-Welt sowie den komplexen Spielmechaniken unnötige Fesseln an.
Fazit: Viel auf dem Teller, aber mit Beigeschmack
«Crimson Desert» hat einiges zu bieten, etwa die mit viel Liebe zum Detail erschaffene Welt, die demonstriert, warum dieses Spiel als eines der optisch beeindruckendsten Open-World-Games gehandelt wird. Die Entwickler von Pearl Abyss haben ein großes Netz ausgeworfen, um Spielende mit ganz unterschiedlichen Vorlieben anzulocken.
Dabei untergräbt der schwierige und langatmige Einstieg ins Game manchmal die ansonsten gute Ausführung. Wer aber bereit ist, den riesigen Kontinent Pywel zu erkunden und jeden Winkel zu durchstöbern, wird seinen oder ihren Weg finden, dieses Spiel zu genießen.
«Crimson Desert» ist für PC (Windows/MacOS), Playstation 5 sowie Xbox Series X/S sowie MacOS zum Preis von 70 Euro erhältlich. Das Spiel hat keine Jugendfreigabe (USK 18).
© dpa-infocom, dpa:260318-930-835820/1
Pearl Abyss/dpa-tmn | Held Kliff im Kampf: Mit seiner Söldnertruppe, den Greymanes muss er auch gegen mythische Kreaturen und archaische Kräfte gewappnet sein.
Pearl Abyss/dpa-tmn | Pause mit Lichtblick - selbst in «Crimson Desert» wird nicht ununterbrochen gekämpft.
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