Weihnachten zu Hause
Netflix
2 Staffeln, 12 Folgen
Weihnachten, Romantik, Humor
Es gibt eine Sache, die gehört zu Weihnachten einfach dazu - selbst, wenn wir uns manchmal wünschten, es wäre anders. Immerhin ist es nicht nur das Fest der Geschenke, des Lebkuchens oder des Frosts: Weihnachten ist das Fest der Liebe. Und kaum ein anderes Event lädt die Verwandtschaft so selbstverständlich dazu ein, unliebsame Spekulationen und unangenehme Fragen zu stellen. "Was macht die Liebe?" - "Bringst du denn jemanden mit dieses Jahr?" - "Denk dran, die Uhr tickt!" ... und das sind nur einige Beispiele, jedenfalls im Leben von Johanne. Die schlägt sich nämlich mit einer ganzen Familie voller glücklicher Paare herum, und die haben keinerlei Verständnis für ihr Single-Dasein. Kein Wunder also, dass ihr zu Beginn der Adventszeit eine Notlüge herausrutscht: dieses Jahr wird sie nicht alleine kommen. Und das gibt ihr genau 24 Tage Zeit, um die richtige Begleitung für das Familienessen an Heiligabend zu finden.
Ganz klassisch... oder?
Auf den ersten Blick wirkt Weihnachten zu Hause wie das Einmaleins der guten Weihnachtsgeschichten: eine einfache Prämisse, ein vorhersehbarer Ablauf, romantische Kulissen. Aber irgendwie bringt die norwegische Serie dann doch einen ganz eigenen Flair mit. Denn die Abenteuer, die Johanne in ihrem Dating-Leben erwarten, sind alles Andere als langweilig oder vorhersehbar. Während sie zwischen ihrem Berufsleben im Krankenhaus, Familien-Eskapaden und der Männerwelt hin und her springt, begegnen ihr so einige Herausforderungen, und diese werden charmant, frisch und mit einem Augenzwinkern erzählt. Die Absurditäten der Männerwelt, schräge Patienten und verstrahlte Freundinnen entführen uns in die norwegische Adventszeit, und haben sowohl einige Lacher, als auch eine große Prise Weihnachtsflair im Gepäck. Übermäßig kitschig wird es hier allerdings nicht. Auch ernstere Themen finden ihren Platz in der Serie - wie im echten Leben auch.
Eine tolle Protagonistin
Der heimliche Star der Serie ist eigentlich gar nicht so heimlich: denn es ist Johanne selbst. Mit ihren 30 Jahren sieht sie sich zwischen WG und Eigenheim gefangen, datet sowohl mal einen 19 Jährigen, als auch einen Rentner und hat sowieso für alles und jeden eine passende Bemerkung oder ein freches Grinsen auf den Lippen. Man kann gar nicht anders, als mit ihr mitzufiebern, denn es gab lange keine so sympathische Hauptprotagonistin wie die Norwegerin, gespielt von Ida Elise Broch. Oft sind ihre Dating-Erlebnisse zwar so abstrus, dass man zwischen Lachen und Weinen steht und Mühe hat, dem roten Faden zu folgen - aber dann verzeiht man der Serie irgendwie doch wieder alles, einfach, weil sie einen so zauberhaft leicht in Weihnachtsstimmung versetzt.
Alle guten Dinge sind drei...
...doch für die dritte Staffel müssen wir uns noch gedulden. Bisher gibt es keine Infos zu einer möglichen Fortsetzung. Die ersten beiden Ausgaben gibt es allerdings auf Netflix und trösten gut über die Wartezeit hinweg: Rewatch-Potential ist auf jeden Fall da. Vor allem die sechs Folgen der ersten Staffel formen eine zauberhafte Weihnachtsgeschichte über die Liebe, das Leben und das Lachen - die zweite Staffel verliert leider etwas den Drive und wiederholt viele Muster der ersten Staffel. Im Gegensatz zum Original verfällt man hier doch in etwas ausgelutschte Tropes, beinahe so, als wäre die Geschichte mit einer Staffel eigentlich auserzählt gewesen. Trotzdem wird man einfach nicht müde, Johanne auf ihrem Weihnachtsweg zu begleiten.
Fazit: Eingeschränkte Binge-Empfehlung: für Weihnachts- und Romanzenliebhaber ist es ein Fest, Johanne alle Jahre wieder durch ihre Dating-Erfahrungen zu begleiten.
Unsere Serien- und Film-Expertin
Hannah Schürkamp - Film-Enthusiastin & freie Autorin
Als Medienwissenschaftlerin und freiberufliche Dozentin gehören Filme und Serien zu meinem Berufsalltag. Meine Begeisterung für's große Kino hat darunter jedoch nie gelitten. Egal welches Genre, ob Streaming, Kino oder DVD, Hollywood-Klassiker oder Low Budget-Produktion: sowohl gute als auch weniger gute Filme schaue und diskutiere ich unvoreingenommen und mit viel Liebe für die Sache.
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