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Washington/Tel Aviv/Teheran/Berlin | Wie geht es nach Beginn eines neuen Iran-Kriegs weiter?

Vahid Salemi/AP/dpa | Israel und die USA greifen den Iran an

Nahost

Washington/Tel Aviv/Teheran/Berlin (dpa) - Israel und die USA haben am frühen Morgen koordinierte Luft- und Raketenangriffe gegen Ziele im Iran gestartet. Teheran meldete als Reaktion Angriffe auf mehrere US-Militärstützpunkte in der Golfregion. Israel nennt seine Operation «Brüllen des Löwen», die USA sprechen vom «Einsatz gewaltiger Zorn». Anbei ein Überblick:

Was wurde angegriffen?

Explosionen wurden außer in der Millionenmetropole Teheran unter anderem aus Ghom, Lorestan, Kermanschah, Karadsch und Tabris gemeldet. Auch nahe der Kulturmetropole Isfahan gab es Explosionen. Dort befindet sich ein zentrales Nuklearzentrum, das bereits im Krieg im vergangenen Jahr Ziel von US-Bombardierungen wurde. Getroffen wurden Berichten zufolge Raketendepots, Luftverteidigungsanlagen und Ziele nahe Regierungsgebäuden.

Die iranischen Streitkräfte haben nach eigenen Angaben als Reaktion auf die Angriffe Israels und der USA vier US-Militärstützpunkte in der Region attackiert. Unter den Zielen waren die Stützpunkte Al-Udeid in Katar, Al-Salem in Kuwait, der Luftwaffenstützpunkt Al-Dhafra in den Vereinigten Arabischen Emiraten und die US-Flotte in Bahrain, wie die Nachrichtenagentur Fars berichtete.

Welche Angriffsziele verfolgt Israel?

Israels Ministerpräsident Netanjahu begründet die Angriffe auf Iran mit dem Schutz vor einer existenziellen Bedrohung durch Teheran. Gemeint ist damit Irans Atom- und Raketenprogramm. Es dürfe «nicht zugelassen werden, dass sich das mörderische Terrorregime mit Atomwaffen ausrüstet, die es ihm ermöglichen würden, die gesamte Menschheit zu bedrohen», sagte Netanjahu weiter.

Die «New York Times» berichtete, Israel lege den Schwerpunkt seiner Angriffe auf Raketenlagerstätten, Produktionsanlagen und Abschussvorrichtungen.

Was ist das Ziel der USA?

US-Präsident Donald Trump will nach eigenen Angaben Amerikanerinnen und Amerikaner verteidigen - vor einer Bedrohung durch die iranische Führung. Er zielte zudem in einer Videobotschaft auf das iranische Atomprogramm ab: «Sie dürfen nie eine Atomwaffe besitzen.» Zudem ermutigte Trump die Iraner zu einem Wechsel an der Spitze Irans. «Die Stunde eurer Freiheit ist gekommen», sagte er. «Das wird wahrscheinlich für Generationen eure einzige Chance sein.» Er fügte hinzu: «Wenn wir fertig sind, übernehmt eure Regierung.» Er forderte die Revolutionsgarden, Streitkräfte und auch Polizei auf, ihre Waffen niederzulegen.

Iran-Experten sehen die Aussichten auf einen Sturz der iranischen Führung kritisch. Als Gründe führen sie an, dass die iranische Opposition nicht geeint sei und keine Risse in der Elite oder den Revolutionsgarden erkennbar seien.

Wie ist die Lage im Iran?

Nur wenige Informationen dringen nach außen. Die Behörden verhängten eine Internetsperre. Die auf Netzsperren spezialisierte Organisation Netblocks berichtete, es sei ein «fast vollständiger Internetausfall».

Ein Video der Nachrichtenagentur Mehr zeigte große Zerstörung mitten in der Hauptstadt Teheran. Auf der Aufnahme war ein völlig zerstörtes Gebäude zu sehen. Mehrere Rettungskräfte waren am Rande der Trümmer zu sehen.

Augenzeugen berichteten per SMS, dass sich in der Millionenmetropole Teheran lange Schlangen an Tankstellen gebildet hätten. Viele Menschen versuchten, die Hauptstadt zu verlassen. Geschäfte waren vielerorts geschlossen. Im Norden der lebendigen Metropole herrschte gespenstische Stille. 

Die Schulen seien in Abstimmung mit Verwaltung und der Polizei geschlossen worden, teilte das Bildungsministerium mit.

Die Regierung und auch das Militär äußerten sich bislang nicht zu den Angriffen. Lediglich das Außenministerium und der Sicherheitsrat veröffentlichten Mitteilungen, in denen sie das Vorgehen der USA und Israel verurteilten und die Weltgemeinschaft zum Handeln aufforderten.

Warum haben sich die USA und Israel gerade jetzt zu einem Angriff entschlossen?

Die Verhandlungen in Genf über das iranische Atomprogramm brachten bislang keinen Durchbruch. Die USA haben in den vergangenen Wochen massiv Marine- und Luftstreitkräfte im Persischen Golf zusammengezogen. US-Präsident Trump hatte Teheran ein Ultimatum bis Anfang März gestellt. Die Angriffe begannen am Morgen des 28. Februar.

Der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz schrieb auf X, die Arbeitshypothese, die der Operation zugrunde liege, laute: Das iranische «Regime» sei schwach und brüchig. Daher könne eine gezielte, schlagkräftige und breit angelegte israelisch-amerikanische Kampagne es erheblich untergraben und vielleicht sogar die Voraussetzungen für einen internen Wandel schaffen. Das zentrale Problem sei: Was passiert, wenn diese Annahme falsch ist? 

Wie geht es weiter?

Der Iran warnte seit Wochen vor einem Angriff und drohte mit einer «vernichtenden Antwort». US-Regierungsmitarbeiter sprechen laut US-Fernsehsender CNN von einer Operation, die über Tage oder Wochen andauern könne. Es sei «kein kleiner Schlag».

Es besteht die Gefahr eines «umfassenden Regionalkriegs», vor dem Chamenei bereits gewarnt hatte. Die Hisbollah-Miliz im Libanon, Huthi-Miliz im Jemen sowie Milizen im Irak könnten intervenieren.

© dpa-infocom, dpa:260228-930-748869/1

Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa | US-Präsident Donald Trump ruft die Menschen im Iran auf, ihre Führung zu stürzen.

Alex Brandon/AP/dpa | Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bezeichnet das iranische Atomprogramm als größte existenzielle Bedrohung.